Auf und davon! Warum es hilft, bei Depressionen einfach rauszugehen

Man hat da so eine bestimmte Vorstellung davon, wie das ist, wenn die Depression erbarmungslos zuschlägt: Der Betroffene zieht sich zurück, igelt sich daheim (vorzugsweise im Bett oder auf der Couch) ein, verliert an Antrieb und Motivation. Affekte flachen ab, Sozialkontakte (selbst die eigene Partnerschaft) werden vernachlässigt, manchmal gar die Körperpflege.

Was soll ich sagen? Die Vorstellung ist gar nicht so falsch! Wenn sich der Schatten hinterrücks ins Leben schleicht, sind Isolation, Traurigkeit, Zweifel und Angst treue Begleiter. Manchmal sogar Selbsthass. Und all das verdrängt Alltag, Struktur und Freude am Leben. Ich spreche da aus Erfahrung! Leider!

 

Depression innerhalb der Familie: Kinder brauchen dennoch Struktur im Alltag

Viele Profis sagen, Struktur ist jetzt wichtig. Rausgehen, ein Alltag, eine Aufgabe! Naja, mach das mal, wenn dir jeder kleine Schritt vorkommt, wie eine Tour zum Mount Everest, jeder kleine Handgriff so unendlich viel Anstrengung abverlangt …

Jetzt kommt das große Aber …

ABER: Depression hin oder her, all das muss klappen, wenn Kinder im Spiel sind. Denn Kinder brauchen Struktur und Sicherheit im Alltag, um glücklich und zufrieden heranwachsen zu können. Sie brauchen Unternehmungen und Freizeitprogramm. Sie brauchen es, draußen zu spielen, Abenteuer zu erleben, die Welt zu entdeckten und Kind sein zu dürfen. Ganz simpel! Sollte man meinen …

 

Einfach raus! Natur als Heilmittel bei Depression

Die Rübe und der Wurl brauchen Auslauf. Viel Auslauf! Sonst werden sie unausstehlich. (Was dazu führt, dass Mama ebenfalls unausstehlich wird! Ein Teufelskreis, würde ich sagen! ;)) Zu jeder Jahreszeit, bei jeder Temperatur, bei jeder Witterung: Sie müssen raus! Da sind sie wie Welpen! Und depressive Stimmungslagen meinerseits sind ihnen in der Hinsicht auch völlig egal (zum Glück!). Darauf kann keine Rücksicht genommen werden. Also muss Mama ebenfalls raus!

Auch, wenn ich mich gerade in einem depressiven Tal befinde, und das Ganze zu einem wahren Kraftakt für mich wird: Ich muss zugeben, dieses Rausgehen in die Natur und deren Vorzüge genießen, wirkt manchmal beinahe wie ein Antidepressivum. Die Natur kann ganz viel Positives zu unserer Stimmungslage beitragen, wenn man sie nur lässt. Und da ist es auch egal, ob man diesen positiven Effekt am See, im Park oder im Wald sucht. Sogar unser heimischer Balkon wirkt als Stimmungsaufheller, wenn wir dort bewusst mit Erde, Pflanzen, Wasser, Sonne und Luft in Berührung kommen.

 

Natur hilft gegen Depression

Die Natur wirkt sich individuell unterschiedlich auf Depressionen aus und natürlich kann ich euch nur von meinen persönlichen Erfahrungen berichten. Dazu muss ich sagen, dass Herzallerliebst und mir vor allem auch für unsere Kinder ein gewisser Bezug zur Natur sehr wichtig ist.

Gar nicht so einfach, wenn man mitten in einer Großstadt lebt, sollte man meinen. Nun, das ist sogar leichter als gedacht! Parks, Seen, Schwimmbäder, unser Balkon (der einem Dschungel gleicht), das Schrebergärtchen meiner Eltern. Und nicht zu vergessen: der Botanische Garten. Wir haben also allerhand natürliche Waffen direkt vor der Haustür, um meiner Depression den Kampf anzusagen! Das sogar ziemlich erfolgreich!

 

Depression und Kinder: Die Ruhe der Natur genießen

Jeder, der Kinder hat, kennt es: Mit Kindern ist man extrem früh auf den Beinen! Ausschlafen ist nicht! Gerade, wenn ich in einer schlechten Phase gefangen bin, halte ich Menschenmengen gar nicht gut aus. Ich bin dann am liebsten für mich allein, das Einigeln tut mir aber auch nicht gut.

Irgendwann sind wir – mehr zufällig – am Wochenende einmal gegen sieben Uhr morgens (da waren Rübe und Wurl schon eine gute Stunde wach) in den Park gegangen. Einfach so. Und es war herrlich! Niemand war da, außer wir, und die gerade erwachende Natur. Während die Rübe und der Wurl es genossen haben, dass ihnen niemand die Spielgeräte streitig macht, sind Herzallerliebst und ich auf einer Parkbank gesessen, haben uns an den Händen gehalten (Ja, manchmal sind wir total romantisch! :D) und die Natur auf uns wirken lassen. Ich weiß noch genau, es war Frühsommer, die Luft angenehm mild, die Sonnenstrahlen herrlich warm und Vogelgezwitscher hat uns eingelullt. Es war einfach großartig!

Seitdem gehört das zu einem unserer Rituale, wenn die Kinder am Wochenende mal wieder unmenschlich früh wach sind und mit Feuereifer die Wohnung auseinander nehmen. Auch im Frühling und im Herbst (grandioses Farbenspiel!) bietet der Park bei uns um die Ecke wirklich tolle Entspannung. Bloß im Winter, wenn es um sieben Uhr noch dunkel ist, verzichten wir auf die Natur. Depression hin oder her! 😉 (Aber ein Winterspaziergang bei Sonnenschein, der hat was!)

 

Es grünt so grün: Ab in den Wald bei Depressionen

Ein Waldspaziergang oder alternativ auch ein Ausflug in den Botanischen Garten hilft mir total, die Depression von Zeit zu Zeit in ein Eckchen zu drängen. Wir alle lieben die Natur, die der Wald zu bieten hat. Der Schatten hasst sie. Und das ist gut so!

Dieser stimmungsaufhellende Effekt, den Wälder und Gärten auf mich haben, wundert mich kein bisschen. Forschungen haben längst belegt, dass grüne Farbtöne auf den Menschen beruhigend und harmonisierend wirken. Sie können uns helfen, unser Denken zu fokussieren und fördern Konzentration. Wo könnte man der Depression also besser den Kampf ansagen als im Wald? Ich liebe unsere Waldspaziergänge, bei denen ich mich ganz bewusst aufs Atmen konzentriere (ich habe da spezielle Techniken durchs Yoga erlernt) und – ja, ich weiß, es klingt kitschig – irgendwie im Einklang mit der Natur befinde. Und ganz ehrlich: Nirgendwo riecht es so frisch, gut und gesund wie im Wald!

Die Rübe und der Wurl lieben es übrigens ganz besonders, Ameisenhaufen zu studieren, Geheimquartiere zu bauen und Wettrennen über Stock und Stein zu veranstalten. Eine eindeutige Win-Win-Situation, würde ich also sagen!

 

Die Kraft des Wassers nutzen

Auch Wasser ist ein Element, das uns als Familie häufig Freude bereitet beziehungsweise hilft, den Schatten zurückzudrängen. Vor allem ist es so vielfältig. Ob nun am Badesee, im Freibad (die Kinder lieben es, die Wasserrutsche runterzusausen) oder der kleine, plätschernde Teich bei meinen Eltern im Garten: Wasser gibt einem ein gutes Gefühl! Das mag daran liegen, dass wir alle die Anfänge unserer Existenz in (Frucht-)Wasser verbringen. Wasser hat irgendwie etwas Ruhiges, Angenehmes und dennoch auch Kraftvolles. Und oft hilft mir genau das, mit der Depression besser zurecht zu kommen.

Manchmal, wenn mir alles zu viel ist, stürze ich mich ins kühle Nass und schwimme ein paar Meter (im Winter vorzugsweise im Hallenbad ;)). Das hilft mir abzuschalten und die Gedanken (bei mir oft ein wahres Gedankenkarussell) fließen zu lassen. Manchmal kann auch ein Bad mit Aromazusätzen sinnvoll sein. Ich lasse dann das Wasser aus dem Hahn laufen, schließe die Augen und das Plätschern trägt mich davon. Da kann auf der anderen Seite der Badezimmertüre die Welt untergehen, das ist mir egal. Diese Auszeit gehört nur mir! Der Schatten ist zum Glück wasserscheu! 🙂

 

Gärtnern gegen Depressionen

Ob im Garten meiner Eltern oder bei uns am Balkon: Gärtnern gehört zu meinen größten Hobbies und auch die Rübe und den Wurl habe ich längst damit angesteckt. Gemeinsam ziehen wir Tomaten, Gurken, Bohnen, Erdbeeren, Himbeeren, Kräuter und noch mehr. Natur pur und damit einer gesunden Ernährung absolut zuträglich.

Der positive Einfluss des Gärtnerns auf meine Stimmungslage ist unbestritten. Das Buddeln in der Erde, Säen, Unkraut zupfen, Gießen, beim Wachsen zusehen und – natürlich – Ernten, ist so ein wahnsinnig schöner Prozess, dass dabei manchmal sogar die Depression kurzzeitig in den Hintergrund tritt. Etwas mit eigener Hände Arbeit zu schaffen, steigert das Selbstbewusstsein einfach unheimlich. Und außerdem schmeckt es! 🙂

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