Meine Erfahrungen mit Citalopram – Segen und Fluch zugleich

Ein Leben mit Depressionen stellt nicht nur den Betroffenen an sich vor scheinbar unlösbare Aufgaben, sondern auch alle Menschen die sich im unmittelbaren Umfeld bzw. Lebensmittelpunkt befinden. Doch Nichtbetroffene können sich dieser Welt immer wieder entziehen, indem sie wieder ganz normal nach Hause gehen oder sich mit Freunden treffen. Der Erkrankte selbst kann das nicht. Es ist nicht möglich, den eigenen Körper zu verlassen. Die Depressionen werden gelebt 24 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche. Möchte ich ein Stück von meinem „normalen“ Leben wieder haben, bleibt in der Regel kaum eine andere Möglichkeit als die Einnahme, von einem Antidepressiva. In meinem Fall sprechen wir dabei von „Citalopram„.

 

Citalopram – 40 mg an jedem Tag der Woche


Angefangen mit dem Antidepressivum „Trevilor“ wurde ich nach ein paar Jahren dieser Einnahme, im Rahmen eines weiteren Klinikaufenthalts, auf das Mittel Citalopram umgestellt. Bereits durch das Trevilor hatte ich schlimmste Nebenwirkungen durchlaufen wie. massives Schwitzen, hohe Gewichtszunahme und fast 100-prozentiger Verlust der eigenen sexuellen Lust, wurde ich mit Citalopram erneut auf eine harte Probe gestellt. Denn selbst zu Einnahmebeginn erfolgten erneut unschöne Begleiterscheinungen, wie eben eine weitere Zunahme an Gewicht, kaum mehr Lust aufs andere Geschlecht, Schweißausbrüche und ein Höchstmaß an Müdigkeit. 

Schnell wurde die Dosis von täglich 20 mg Citalopram auf das Doppelte, also auf 40 mg heraufgesetzt. Übrigens ist dies auch heute noch die Dosis, denn das Medikament nehme ich immer noch, leider. Es ist nicht so, als hätte ich nicht gerne ein medikamentenfreies Leben. Es ist vielmehr der Weg des Absetzens, der mich schlichtweg einfach nicht davon loskommen lässt. Ich bin zudem prinzipiell auch kein Mensch, der schnell aufgibt und sich einer Sache nicht auch mehrmals stellt. Was ich dann natürlich auch beim Absetzen meines Antidepressivums „Citalopram“ so gehalten habe. 

 

Vom Ausschleichen übers abrupte Absetzen – meine Erfahrungen

Wie viele Versuche ich genau unternommen habe, um Citalopram wieder aus meinem Leben zu verbannen, kann ich gar nicht mehr genau zählen bzw. ich vermeide auch die Auseinandersetzung mit diesem Thema, eigentlich. Doch heute möchte ich ein wenig davon erzählen, wie es ist, wenn man versucht ein Medikament wie Citalopram nicht mehr einnehmen zu müssen. Wahrscheinlich geht jeder Mensch, der an Depressionen erkrankt ist, das Gefühl von neuem Optimismus, neuen Lebenswillen bzw. den Wunsch wieder ein normales Leben zuführen, ohne dafür erst diverse Tabletten geschluckt haben zu müssen. 

Dieses Gefühl von; „Ich bin wieder gesund, ich spüre es und weiß, dass ich ab sofort auch wieder ohne DIESEM Medikament leben kann.“ An und für sich ein sehr schönes Gefühl, welches beim Versuch des Absetzens so schnell im Keim erstickt wird, dass man sich schon kurz darauf gar nicht mehr daran erinnern kann, dieses Gefühl überhaupt jemals verspürt zu haben.

Citalopram ist ein sogenanntes Spiegelpräparat, bedeutet, dass dieses erst über einige Wochen konstant jeden Tag eingenommen werden muss, bis sich im Körper ein entsprechender Wirkstoffspiegel angereichert hat. Erst dann beginnt die Welt wieder damit, sich langsam wieder zum Positiven zu entwickeln. Man sollte aufgrund des aufgebauten Spiegels eigentlich auch denken, dass das Absetzen nicht ganz so schwer ist und durch die Anreicherung im Körper, Nebenwirkungen nur sehr gering ausfallen können.

Dem ist allerdings gar nicht so, zu mindestens nicht bei mir, denn bereits zwei bis maximal drei Tage nach der letzten Dosis Citalopram begann der Entzug. Die Nervosität nahm bei mir dermaßen stark zu, dass ich kaum mehr wusste wohin mit mir. Denkvorgänge in klaren und logischen Schritten hatten kein Durchkommen mehr, denn meine Gedanken drehten sich wie im Kreis einzig um meine körperlichen Symptome. Die Angst vor Herzinfarkt und Schlaganfall war in einer Art ausgeprägt, dass ich mich am liebsten ins Krankenhaus gelegt hätte, an Geräte angeschlossen, die rund um die Uhr meine Vitalwerte messen.

Doch mit am unangenehmsten überhaupt während des Versuchs des Absetzens von Citalopram, waren diese „Zuckungen“ oder „Blitze“ im Kopf. Jede körperliche Bewegung, jede Kopfbewegung übermittelte mir ein Gefühl, als wäre mein Gehirn geschrumpft und stößt nun an jeder Wand meines Kopfes an. Diese Zuckungen, Blitze und dieses „hin- und herkullern“ vom Gehirn waren für mich dermaßen schlimm, dass der Griff automatisch zum Blister ging. Das sind Erfahrungen, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche.

Und auch beim Versuch des Ausschleichens von Citalopram, also die Dosis langsam zu reduzieren, führte bei mir keineswegs zum Erfolg und führte auch nicht an den so widerlich anfühlenden Nebenwirkungen vorbei. Sowohl die Blitze als auch die Zuckungen, die Nervosität, die Ängste und Verwirrtheit blieben, bis ich den Wirkstoffspiegel in meinem Körper wieder auf sein „normales“ Maß aufgefüllt hatte. 

Den Weg von Citalopram weg, werde ich wohl alleine nicht schaffen und wahrscheinlich nur in Kombination mit einem anderen Präparat, dass mir das gibt, was das Mittel mir gegeben hat, welches ich gerade versuche loszuwerden. Mir scheint, es stünde mir ein weiterer Teufelskreis bevor. 

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