Die Rübe und der Schatten: mein Weg zurück ins Glück

Ihr erinnert euch: Nachdem die Rübe gelandet war, war nichts mehr so, wie es war. Und noch schlimmer! Bis heute fühle ich unsagbaren Demut, dass Herzallerliebst so sensibel (auch, wenn er das gar nicht gerne hört, aber wie sage ich immer: Harte Schale … ;)) ist und reagierte. Die Rübe, ich und unsere Beziehung zueinander haben sich ganz bestimmt durch sein beherztes Handeln stabilisieren, normalisieren und entwickeln können.

Klar, die ersten Wochen (insgesamt waren es ziemlich genau 10 dunkelschwarze Wochen), die bringt uns niemand zurück und bis heute gibt es mir tief im Inneren einen Stich, wenn ich daran denke, wie sehr wir beide gelitten haben. Dabei hätten wir es wesentlich einfacher haben können, hätte es rechtzeitig Hilfestellung für mich gegeben. Denn sowohl mein Frauenarzt, als auch meine Hebamme wussten von meinen Gefühlen und Gedanken. In der Schwangerschaft schon! Ernst genommen haben sie mich kaum. Ein fataler Fehler, wie ich finde!

 

Die Depression und ich: als das Kartenhaus einstürzte

Obwohl es nun schon Jahre her ist, erinnere ich mich daran, als wäre es gestern gewesen. Das mag daran liegen, dass die folgende Situationen einen Wendepunkt in unser aller Leben darstellt. Als Schlüsselereignis bezeichnet es meine Therapeutin gerne.

Es war Anfang April und der Frühling klopfte an die Tür. Überall, nur nicht in meinem Inneren. Dort herrschte tiefster Winter. Die Rübe und ich hangelten uns von Tag zu Tag. Alles erschien mir sinnlos. Bei uns daheim, dort, wo ich mir Freude, Zufriedenheit und Glück ausgemalt hatte, hatten Trauer, Wut und Verzweiflung Einzug gehalten. Alles erschien mir so sinnlos.

Und dann eben dieser Nachmittag: Herzallerliebst kam von der Schule heim (er unterrichtet dort Sport und Geschichte) und fand die Rübe und mich so vor, wie er uns zurückgelassen hat. Sie verzweifelt kreischend, mich lethargisch. Und da platzte ihm die Hutschnur und das ist vielleicht das beste, das uns passieren konnte! Viele unschöne Dinge brüllte er und dass er sich das keine Sekunde länger mehr ansehen würde. Er wurde immer wütender, so hatte ich ihn nie zuvor erlebt (auch danach nicht mehr). Und irgendwann setzte er sich hin, nahm die Rübe auf den Arm, heulte Rotz und Wasser und meinte immer wieder, es muss etwas geschehen, es muss dringend etwas geschehen.

 

Mutterschaft und Depression: Es gibt Hilfe, man muss sie bloß finden

Am selben Abend, nachdem er die Rübe ins Bett gebracht hatte, stieß Herzallerliebst bei seiner Recherche auf Begriffe, die uns Angst machten, die auf uns und unsere Situation allerdings wie die Faust aufs Auge passten: Geburtstrauma, Heultage, Postpartale Depression oder Regretting Parenthood, um nur ein paar zu nennen.

„Glaubst du, hast du da was davon?“, frage er mich. Ich konnte nur die Schultern zucken, aber mir schwante Übles. Und dann war da auf einmal der Kontakt vom Sozialpsychiatrischen Dienst. So falsch kann das nicht sein, dachte sich Herzallerliebst und rief gleich am nächsten Tag an.

 

Leben in der Krise: Der erste Schritt ist gesetzt!

Wir hatten dort einen Beratungstermin und zum ersten Mal seit MONATEN fühlte ich mich ein klitzekleines Bisschen zuversichtlicher. Dort saßen wir mit Fachleuten zusammen und wurden nicht nur ERNST GENOMMEN, sondern ebenso professionell beraten. Wir verließen den Termin mit den Kontaktdaten eines niedergelassenen Psychiaters, einer Psychotherapeutin, einer Selbsthilfegruppe und guten Wünschen. Alles weitere war meine Entscheidung und meine Verantwortung. Am nächsten Tag legte ich die Rübe nach dem Vormittagsfläschchen unter ihren Spielebogen, schnappte mir mein Handy und wählte die Nummer des Psychiaters …

 

Diagnose: Postpartale Depression

Ich schilderte meine Situation und die Worte der Ordinationshilfe werde ich nie vergessen: „Das ist eine akute Sache, noch dazu haben Sie Versorgungspflichten! Kommen Sie gleich heute vorbei, 16:30 Uhr.“

Kurz nach 16:30 Uhr saßen Herzallerliebst, die Rübe und ich im (wirklich sehr gemütlichen) Ordinationszimmer von Dr. W. und endlich fanden wir Hilfe! Den Arzttermin habe ich als sehr angenehm in Erinnerung. Dr. W. Ist übrigens nach wie vor mein behandelnder Psychiater. Ich habe großes Vertrauen in ihn und seine Fähigkeiten und bin total angetan von seiner einfühlsamen Art. An diesem Tag hörte er mir nicht nur zu und nahm mich ernst, er gab meinem Leben auch einen Schubs in die richtige Richtung. In Form einer Diagnose und eines Rezeptes!

Gut, die Diagnose zog mir zwar kurzzeitig den Boden unter den Füßen weg, aber insgeheim hatte ich wohl damit gerechnet. Dr. W. erklärte mir auch, dass er die Diagnose „Postpartale Depression“ (auch bekannt unter „Wochenbettdepression“) vorläufig stelle, denn eindeutig sind Schwangerschaft und die Geburt der Rübe mit meinem psychischen Zustand verwoben. Anhand meiner Anamnese müsse man das aber engmaschig kontrollieren und eventuell irgendwann revidieren, denn meinen Erzählungen nach, sei eine depressive Erkrankung früher schon dagewesen. (Er sollte recht behalten)

Dr. W. verschrieb mir außerdem ein Antidepressivum (da ich nicht mehr stillte, keine große Sache; allerdings sind viele Präparate mittlerweile auch beim Stillen überhaupt kein Problem) und erklärte mir, dass es etwa 14 Tage dauern würde, bis ich eine Wirkung spüren würde. Eine Besserung von Stimmung und Antrieb sollten dann deutlich werden. Ich war gespannt! (Dr. W. sollte auch hier recht behalten)

Der Psychiater klärte mit Herzallerliebst ab, dass ich für die nächste Zeit intensive Unterstützung beim Versorgen der Rübe haben sollte (wir weihten dann seine Mutter ein, die uns die nächsten Wochen wirklich ordentlich betüdelte). Auch eine Psychotherapie legte Dr. W. Mir wärmstens ans Herz. Das sollte dann – nach der medikamentösen Einstellung – der nächste Schritt werden.

 

Familie und Depression: Aufbruch in ein glückliches Leben

Als ich mit meinen – damals – beiden wichtigsten Menschen auf dieser Welt die Praxis verließ, fühlte ich mich zwar (natürlich!) nicht besser oder gar gesund, aber irgendwie … ja … leichter.

Wir gingen in eine nahe gelegene Apotheke und lösten das Rezept ein. (Gut ich bin ehrlich: Mir war das total peinlich, Herzallerliebst hat das für mich erledigt und ich habe währenddessen mit der Rübe vor der Tür gewartet.)

Gleich am nächsten Tag nach dem Frühstück habe ich die erste Tablette geschluckt und ab diesem Zeitpunkt ging es langsam, aber stetig, bergauf!

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