Familie, Depression und Arbeit: Wie man alles unter einen Hut bekommt

Im heutigen Artikel geht es um ein brandaktuelles Thema: Familie und Arbeit! Und um die Frage, wie man beides unter einen Hut bekommt, ohne dass dieser ausbeult. Bei mir persönlich gesellt sich in dieser Konstellation – wie überall in meinem Leben – noch der Schatten dazu. Und das macht die Sache so richtig „schön“ kompliziert!

 

Der Geist ist willig … Und dann irgendwie doch nicht

Eigentlich liebe ich meinen Beruf! Die Betonung liegt auf eigentlich, denn leider kann ich nicht konstant 100 Prozent geben. Und dass dem so ist, liegt natürlich nicht an mir, sondern an der Depression! (Das zu betonen ist mir wichtig! Oft heißt es, man WILL nicht, aber dem ist nicht so! Man KANN manchmal schlicht nicht!)

Ich bin Ernährungswissenschaftlerin und das mit Leib und Seele! Bis zur Rüben-Geburt war ich in einem Krankenhaus angestellt und dort habe ich auch wirklich total gern gearbeitet. Schwierige Patienten? Komplizierte Fälle? Kein Problem für mich! Spielend leicht habe ich Zugang zu ganz unterschiedlichen Menschen gefunden (generell sagt man mir nach, dass ich einfach gut mit Menschen kann), das Team war top und auch die Arbeitszeiten waren ganz angenehm. Jackpot also!

Nach meiner psychischen Krise nach der Geburt der Rübe und der zweiten Diagnosestellung (da war dann schon klar, dass es sich bei mir um wiederkehrende Depressionen handelt) habe ich wieder in meinem alten Job angefangen. Das war noch bevor der Wurl ein realistischer Gedanke wurde.

Damals wollte ich in allem – im Job, als Mama und im Haushalt – perfekt sein. Das war ein grober Fehler (wie ich heute weiß) und hat sich rasend schnell gerächt! 🙁

 

Working Mum mit Depression: Am Anfang klappte es noch ganz gut

Bei meinem Wiedereinstieg war ich halbwegs stabil. Zu jener Zeit war ich medikamentös gut eingestellt und ging auch regelmäßig zur Therapie. Die Rübe hatte einen der heiß begehrten Plätze in der Kita bei uns um die Ecke ergattert. Alles war also in trockenen Tüchern und so sah ich der ganzen Sache eigentlich total entspannt entgegen. Und entspannt war es am Anfang auch tatsächlich noch!

Doch dann ging es Schlag auf Schlag! Eigentlich ja alles bloß Dinge, die berufstätige Eltern überall auf der Welt kennen, aber mich traf es eiskalt: Zuerst Rüben-Bronchitis, danach Magen-Darm-Infekt (den hatten Herzallerliebst und ich dann auch), weil’s so lustig ist, gleich noch eine Mittelohrentzündung als Draufgabe und zum Schluss brachte die Rübe auch noch Läuse mit nach Hause.

Über Wochen (!) war sie also nie so wirklich gesund. Ich verzweifelte beim Versuch, allem und allen gerecht zu werden. Der Haushalt sah aus wie Sau, die Rübe litt, weil ich mich zu wenig kümmern konnte und mein Chef nörgelte, weil ich mich zu viel kümmerte und demnach zu häufig ausfiel! Ein Teufelskreis! In dem ganzen Strudel von Müssen, Wollen und Sollen fand ich bald keine Auszeiten mehr für mich und so auch keine Momente, um zur Ruhe zu kommen. Ich selbst (meine Bedürfnisse nämlich) geriet vollkommen in den Hintergrund.

 

Rübe, Job & Haushalt: Und plötzlich war er wieder da, der Schatten

Gerade als ich dachte, das Schlimmste haben wir hinter uns (die Rübe war zum ersten Mal seit langem zwei Wochen am Stück gesund), war er plötzlich wieder da, der Schatten! Erst wollte er sich klammheimlich breitmachen, aber mittlerweile konnte ich die Anzeichen gut deuten und entlarvte ihn auf der Stelle. Ich hatte also einen depressiven Schub! Mal wieder …

Zu sagen, dass ich am Boden zerstört gewesen wäre, ist eine Untertreibung. So sehr hatte ich es mir gewünscht, (m)ein normales Leben: Kind, Partner, Job, Haushalt, Freizeit. Ganz ohne Depression! Und da lag ich nun wieder. Heulend! In der Früh kam ich nicht in die Gänge, dafür konnte ich nachts kein Auge zu tun. Unentwegt drehte sich das Gedankenkarussell und mein Kopf war trotzdem so leer, dass es weh tat. Dazu kamen haufenweise Ängste: Angst, zu versagen! Angst, der Rübe keine gute Mutter zu sein! Angst, vor der Bewertung anderer Menschen. Ganz einfach: Angst!

 

Arbeit und Depression: So konnte es nicht weitergehen

Damals ging nur mehr das Notwendigste! Und das elendslangsam! Auf Anraten meiner Therapeutin ließ ich mich krankschreiben. Meinem Chef gegenüber war mir das sehr unangenehm, weil ich wollte und konnte ihm einfach nicht die Wahrheit sagen: Dass ich an einer Depression erkrankt bin, dass ich nicht so belastbar bin, wie ich vielleicht sollte, dass mir das alles zu viel ist! Gleichzeitig war mir die Situation aber auch deshalb peinlich, weil ich wusste, dass die Kollegen meine Arbeit nun zusätzlich zu ihrer eigenen erledigen müssen. Und ich spürte, dass sich das wohl nicht so bald ändern würde!

Vor allem von meiner Familie und engen Freunden bekam ich damals oft zu hören, dass ich mich auf mich selbst konzentrieren muss, der Arbeitgeber wäre egal. Es gehe nun um mich und meine Gesundheit! Verstehen konnte ich das zwar, aber ich empfand ganz anders. Ich mochte meinen Chef und die Kollegen ja gut leiden und wollte sie nicht hängen lassen. Also machte ich mir Druck, so bald wie möglich wieder arbeiten zu müssen. Funktionieren zu müssen … Alles wurde mir viel zu viel! Was mir heute leid tut: Ich habe es nicht geschafft, das Gespräch mit meinem Chef zu suchen. Vielleicht hätte es eine Möglichkeit gegeben! Vielleicht hätte ich Stunden reduzieren können oder ähnliches …

 

Kündigung als Ausweg: Mit dem Schatten geht es nicht

Stattdessen habe ich den Kopf in den Sand gesteckt und meine Kündigung geschrieben. Zu groß erschien mir das Stigma „Depression“. Dann lieber gar kein Job!

Im Nachhinein betrachtet, würde ich es heute anders machen! Ich würde offen und ehrlich mit der Situation umgehen und meinen Chef und direkte Kollegen einweihen. Psychische Erkrankungen sind nämlich ganz einfach Erkrankungen, nicht mehr und nicht weniger! Nichts, dessen man sich schämen muss! Und schon gar nichts, das totgeschwiegen werden sollte. Wenn man wegen eines gebrochenen Beines sechs Wochen ausfällt, steht man ja auch dazu!

 

Depression und Erwerbstätigkeit: Und es geht doch!

Etwas Positives hatte meine Kündigung im Endeffekt doch und dieses Positive wirkt bis heute: Nachdem sich die depressive Krisensituation nämlich etwas beruhigt hatte und ich wieder den einen oder anderen klaren Gedanken fassen konnte, entstand in meinem Kopf immer deutlicher das Bild von mir als selbständige Ernährungsberaterin. Und Schritt für Schritt setzte ich dieses Vorhaben um!

Heute arbeite ich schon ein paar Jahre lang auf selbständiger Basis und das mit und trotz Depression. Klar hat diese Art der Erwerbstätigkeit Vor- und Nachteile (wie jedes Dienstverhältnis vermutlich) und getraut habe ich mich wahrscheinlich bloß, weil Herzallerliebst einen festen Job mit gutem Einkommen hat… Aber die Tatsache, flexibel genug zu sein, um den Bedürfnissen meiner Kinder gerecht zu werden (sowie meinen eigenen, wenn der Schatten wieder einmal lauert) und die Arbeit einfach hintanstellen zu können, wenn es gar nicht anders geht, überzeugt mich immer wieder aufs Neue!

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