Kinder und Depression: Ehrlichkeit ist wichtig!

Der folgende Beitrag liegt mir ganz besonders am Herzen! Wichtig, emotional und ehrlich,
so könnte man ihn in drei Worten zusammenfassen!

Es geht schlicht darum, dass offen über Depression gesprochen werden muss! Ganz
besonders dann, wenn Kinder involviert sind, ist das unheimlich wichtig. Denn man kann
es drehen und wenden, wie man möchte: Schon ganz kleine Zwerge bekommen
Stimmungen hautnah mit und dieses große Unbegreifliche macht ihnen Angst und lässt
sie oft ziemlich unsicher und schuldbehaftet zurück.

 

Warum ist Mami böse auf mich?

Ich werde nie vergessen, als meine kleine Rübe – da war sie zwei Jahre und ein paar
zerquetschte Monate alt – zu mir getapst kam, als ich gerade äußerst depressiv (das
heulende Elend) auf dem Sofa kampierte. Mit ihren großen blauen Kulleraugen guckte sie
mich an (ihr Blick war in dem Moment so „alt“) und dann fragte sie mit zitternder Stimme:
„Mama böse?“

Mein Herz wurde unendlich schwer! In dem Augenblick war mir klar, dass unsere Rübe
viel mehr mitbekommt, als ich vermutet hatte. Und das, obwohl wir uns wirklich
angestrengt hatten, den schwarzen Schatten sorgsam von ihr fern zu halten. Dass das so
nicht ganz der richtige Zugang war, weiß ich heute.

 

Depression und Familie: Wenn Depressionen zum Alltag gehören

Ich habe über den Vorfall damals ausführlich mit meiner Therapeutin gesprochen und sie
empfahl uns einen Termin bei einer befreundeten Kinder- und Jugendpsychologin.
Gesagt, getan! Und die folgende Beratung war wirklich erhellend für Herzallerliebst und
mich.

Instinktiv hatten wir zwar das Richtige getan, wir haben unser Kind geschützt, allerdings auf die falsche Art und Weise. Depressionen kann man nicht verstecken und eine klinische Depression hat immer auch Auswirkungen auf das Umfeld, gerade auf Kinder. Nun kann man das entweder leugnen, oder man stellt sich dem und sorgt gemeinsam mit Unterstützern (Partner, Familie, Freunden, Betreuungseinrichtung, Therapeuten) dafür, dass die Erkrankung (kindgerecht) beim Namen genannt wird. In weiterer Folge muss man dem Kind das Rüstzeug mitgeben, mit dieser, seiner Situation umzugehen. Denn die Depression ist nicht nur Teil des Alltags des betroffenen Elternteils, es ist auch jener des Kindes!

 

Manchmal kommt der Schatten zu Besuch: Mit Kindern über Depression sprechen

Wir haben dann – wie von der Psychologin empfohlen – einen Moment abgewartet, in dem
es der Rübe gut ging. Sie war ausgeschlafen, hatte gerade gefrühstückt und auch sonst
war sie frech und fröhlich. Dann haben wir es einfach getan: Wir haben mit ihr
gesprochen! In ihrer Sprache zwar, dennoch unverblümt und ehrlich. Dass Mami eine
Krankheit hat, die man Depression nennt, haben wir ihr erklärt. Und dass man sich das so
vorstellen muss, wie einen schwarzen Schatten, der sich manchmal über Mamis
Fröhlichkeit legt. Mama kämpft dann sehr, den Schatten wieder los zu werden. Oft gelingt
ihr das auch ganz gut, weil sie viele Dinge hat, die ihr helfen (den Papa, die Rübe, die
Oma, die Therapeutin, Sport, Medikamente,…), manchmal geht es aber auch weniger gut.
So ist das mit dem Schatten. Mal ist es besser, dann wieder schlechter.

Und soll ich euch was sagen? Die Rübe hat das Ganze so genommen, wie es nunmal ist.
Nicht mehr und nicht weniger! Weil Kinder sowas total gut können, das hat uns später
auch der Wurl bewiesen.

Also mein Credo an alle Mamas und Papas, die unter Depressionen leiden: Seid ehrlich
zu euren Kindern und gebt ihnen immer das Gefühl, dass der dunkle Schatten nichts mit
ihnen zu tun hat. Und in Krisensituationen können auch hier Professionisten
(Kindertherapeuten; Erziehungsberater; Selbsthilfegruppen für Angehörige psychisch
Erkrankter;…) helfen!

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