Kindererziehung und Depression: Es braucht ein Netzwerk

Networking ist nahezu überall das Zauberwort. Im Berufsleben, in Freizeitvereinen und natürlich auch in der Kindererziehung. Wenn dann noch so ein schwarzer Schatten mit von der Partie ist, ist ein Netzwerk noch wichtiger als sowieso schon, das habe ich selbst erfahren dürfen.

 

Depression und die lieben Kinder: Unterstützung gefragt!

Nach meiner ersten Diagnose, der postpartalen Depression, hat der Psychiater eindringlich darauf hingewiesen, dass ich in der nächsten Zeit intensive Unterstützung haben müsse. Ich weiß noch, wie ganz tief in mir drin ein kleines Stimmchen laut wurde, das mir zuflüsterte: „Blödsinn! Du schaffst das schon! Immerhin bist DU die Mama!“ Zum Glück nahm Herzallerliebst den Rat von Dr. W. ernst und rief noch am selben Abend seine Mutter an.

Bereits am nächsten Tag kam die beste Schwiegermutter der Welt mit Sack und Pack (sie kommt von außerhalb, Herzallerliebst hat damals zum Studieren seine Heimatstadt verlassen) angetanzt und hat sich häuslich bei uns niedergelassen. Die Freude war riesengroß (IRONIE!). Heute – mit dem Abstand von doch sieben Jahren betrachtet – muss ich zugeben, dass sie damals tatsächlich ein wahrer Segen für mich und für uns war. Für einige Zeit (bis ich um sehr viel stabiler war) konnte ich mich so voll und ganz auf die Rübe konzentrieren und Schwiegermama hat Haushalt und Co. geschmissen.

 

Wir, der Schatten und die Oma

Diese Entlastung hat in hohem Ausmaß dazu beigetragen, dass ich mich auf mich und mein Stabilwerden (ich sage absichtlich nicht Gesundwerden, Depressive werden nicht „gesund“, so meine Meinung) konzentrieren konnte. Auch Herzallerliebst war deutlich entlastet. Wenn er von der Schule kam, konnte er seine Zeit der Rübe und mir widmen (anstatt die lästigen Haushaltspflichten zu erledigen, die ich in dieser Zeit schlicht nicht gepackt hätte).
Außerdem – so erzählte er mir später – war er erleichtert und entspannt, weil er wusste, dass seine Mama ein Auge auf uns hat. Wäre ich in dieser Zeit mit der Rübe pausenlos alleine gewesen, hätte er sich unentwegt gesorgt.

Noch heute bin ich der besten Schwiegermama der Welt unheimlich dankbar, dass sie damals so selbstverständlich für uns da war. Gut, sie ist zwar schon in Rente (Herzallerliebst ist ein Nachzügler) und fit wie ein Turnschuh, dennoch hat sie für einige Wochen ohne Wenn und Aber ihr gewohntes Umfeld verlassen, um uns unter die Arme zu greifen. Ein einziges Mal habe ich mich dafür unter Tränen bedankt. Da hat sie mich bloß verständnislos angeguckt, die Schultern gezuckt und gemeint: „Aber Kindchen, das ist doch selbstverständlich! Ich weiß nicht, was ihr Jungen immer mit eurem Durchbeißen habt. Früher war es ganz normal, dass jemand da war, wenn ein Baby gekommen ist!“

Übrigens haben die Rübe und der Wurl (bei ihm hat sie sich auch hier einquartiert) ein total inniges Verhältnis zu ihrer Omi. Und ich bin mir hundertprozentig sicher, dass das damit zusammenhängt, dass sie die erste Zeit einfach nur da war! 🙂

 

Es braucht ein Dorf, ein Kind zu erziehen! Erst recht mit Depression!

Der Satz: „Es braucht ein Dorf, ein Kind zu erziehen!“, klingt total abgedroschen, aber es liegen nunmal gleich so viele Fünkchen Wahrheit darin!

Ich glaube, heutzutage schlittern viele Mütter in depressive Verstimmungen oder gar werden klinische Depressionen ausgelöst, weil wir mehrfachbelastet sind und uns gleichzeitig so unentbehrlich fühlen. Die Dreifach-Belastung „Kind-Job-Haushalt“ ist nicht von der Hand zu weisen. Wer klug ist, teilt auf, delegiert und schafft sich ein Netzwerk, so meine Meinung.

Omas, Opas, Tanten, Onkel oder kinderlose Freunde lieben es durchaus, Zeit mit dem Sprössling zu verbringen. Das Kind hat eine tolle Zeit, die Eltern können sich entspannen und sind dann wieder fit und ausgeruht für den Alltag: Win-Win-Situation!

Der Haushalt geht unter? Putzfrau, wenn leistbar!
Der Einkauf mit Kleinkind wird zum Spießrutenlauf? Lieferdienst!

Wichtig ist es auch, dass beide Partner an einem Strang ziehen und Aufgaben gerecht verteilt sind. Ein Ungleichgewicht sorgt hier immer für Mehrfachbelastung!

Und sobald die Kinder alt genug sind, empfiehlt sich Networking mit anderen Eltern. Aufgeteilte Kinderbetreuung (mal wird das eigene Kind am Nachmittag zum Spielen zum Freund mitgenommen, mal übernimmt man fremden Nachwuchs) schafft hier Freiräume für alle Beteiligten.

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