Über mich

Hallo! Mein Name ist Annika und ich habe eine Depression

Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich diesen Blog überhaupt starten soll. Sicher, ich liebe es, Wortkreationen aus meinem Kopf direkt aufs Papier zu katapultieren, aber das hier ist eine ganz andere Liga. Hier geht’s um mich und meinen persönlichen schwarzen Schatten (so habe ich meine Diagnose: „wiederkehrende mittelgradige depressive Episoden“ getauft). Nachdem mir aber zuletzt sogar meine hochgeschätzte Therapeutin den Tipp gegeben hat, mein Steckenpferd (das Schreiben) doch zur Auseinandersetzung und Aufarbeitung zu nutzen, gebe ich mir einen Ruck und tue genau das. Immerhin ist es ja ein therapeutischer Rat! (An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Herrn Dr. W.)

Und noch mehr: Ich möchte mit diesem (Meinem! Unserem!) Thema an die Öffentlichkeit gehen, aufklären, sensibilisieren, aus dem Nähkästchen plaudern und anderen Betroffenen Mut machen. Denn ich habe nicht nur einen ganz persönlichen schwarzen Schatten, ich habe außerdem zwei wundervolle Kinder (mit dem weltbesten Mann gemeinsam versteht sich). Genau darin besteht übrigens mit ziemlicher Sicherheit die größte Herausforderung!

Mama und Depression? Ja geht das denn zusammen, wundert ihr euch vielleicht … Lasst euch gesagt sein: Es geht! Schon allein deshalb, weil es gehen muss! Glücklicherweise hat das Leben nicht nur schwarz und weiß im Angebot und meine Depression fügt sich dem. Soll heißen: Manchmal geht es gut, manchmal leider ein wenig schlechter als gut. Aber grundsätzlich geht das Leben weiter, auch wenn’s hinkt! (Mein Mantra übrigens! Es hängt in Form einer Postkarte an unserem Kühlschrank.) Danke der Nachfrage! 😉

 

Und wer bist du nun tatsächlich, wenn ich fragen darf?

Ich könnte an dieser Stelle natürlich mit meinem schwarzen Schatten gemeinsam ins Licht treten und mich zeigen, wie ich bin. Echte Namen, echte Gesichter und das Ganze ungeschönt! Mache ich aber nicht, allein um meine Kinder zu schützen. Traurigerweise ist Depression in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabuthema, ein regelrechter Makel. Da muss schleunigst etwas geschehen!

Nun ja, die Vorstellung, dass sich die beiden Lieblingszwerge blöde Kommentare über ihre depressive Mama anhören müssen, ist leider wirklich keine schöne… Deshalb habe ich diesen anonymeren Weg gewählt. Nicht meinetwegen, sondern wegen der Gesellschaft.

Für euch würden unsere tatsächlichen Namen und Gesichter keinen Unterschied machen, für uns vielleicht schon! Mit den Eckdaten habe ich aber natürlich kein Problem. Und die sind ja auch viel wichtiger, um die „wahnsinnigen Vier“ (so bezeichnen wir uns gerne selbst) aus Berlin besser kennenzulernen!

 

Vater – Mutter – Kind – Kind – schwarzer Schatten

„Wir leben hier zu fünft, Annika!“, sagt mein Göttergatte oft im Spaß und damit trifft er wirklich voll ins Schwarze. (Der aufmerksame Leser geht nun recht in der Annahme, dass der Name Annika nicht auf meiner Geburtsurkunde vermerkt ist. Aber einen Namen brauche ich ja doch und Annika gefällt mir irgendwie total gut.)

 

Wir Fünf, das sind

Ich (Annika): 34 Jahre alt; Ernährungsberaterin (gerade eher weniger in Amt und Würden); Zweifach-Mama aus Überzeugung

Er (Herzallerliebst): 37 Jahre alt; halbstrenger Lehrer; weltbester Mann und Vater

Sie (Rübe): 7 Jahre alt; seit Herbst stolze Erstklässlerin; Sensibelchen

Kleiner Er (Wurl): bald 4 Jahre alt; Wirbelwind; Motto: „Ich will! Ich will! ICH WILL ABER! JETZT!“

Schatten (wiederkehrende mittelgradige depressive Episoden): schon viele, viele Jahre alt; mal etwas abseits, dann wieder so dermaßen anhänglich, dass er mir die Luft zum Atmen nimmt; immer in der Nähe, nie weit fort

 

Annika, wie ist das eigentlich mit deiner Depression?

Wie das mit meiner Depression ist? Das ist eine gute Frage und ich habe sie mir schon oft gestellt. In einsamen Zwiegesprächen mit mir selbst, mit Herzallerliebst gemeinsam, im Freundeskreis und in der Therapie natürlich. Einmal habe ich sogar versucht, mit meiner Mutter darüber zu sprechen, aber das war keine gute Idee.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Schatten, er war irgendwie immer an meiner Seite! Schon als Kind habe ich mich anders gefühlt, auch, wenn ich keine Worte dafür hatte. Die anderen Kinder waren fröhlich, mutig, irgendwie lebendig. Pippi Langstrumpf eben! Nun, das war ich auch. Manchmal. Von Zeit zu Zeit. Aber ich erinnere mich an Phasen, da bin ich in meinem Bett gelegen und habe scheinbar grundlos geweint. Rauszugehen, um mit den anderen zu spielen, erschien mir manchmal …

… Ja, unmöglich irgendwie. War das schon Depression? Oder ihre Anfänge? Mein Psychiater vermutet, dass die Depression schon damals angeklopft hat. Ich weiß es nicht genau und es macht auch keinen Unterschied mehr. Was mir aber sehr bewusst ist und auch in meiner Anamnese so vermerkt: Ab dem Jugendalter muss sie dagewesen sein, die Depression. Bloß hat das (leider!) niemand bemerkt beziehungsweise ganz einfach auch kein Mensch ernst genommen. Zu Tode betrübt? Ach, so ist sie nunmal die Pubertät … (Ironie!)

Damals packte er mich oft unvermutet, der Schatten. Ich gebe es auch ehrlich zu: Selbstmordgedanken waren mir nicht fremd! Hilfe fand ich keine. So ist sie, die Zeit des Aufbruchs, da muss man durch. Heute ist man in Bezug auf psychiatrische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen durchaus etwas aufgeklärter. Damals war das noch anders … Und ich fühlte mich als Alien mit meiner Stimmung!

 

Und wie war das mit deiner Diagnose?

Nach der Pubertät, im frühen Erwachsenenalter, lief es eine Zeit lang ganz gut. Manchmal kam der Schatten zu Besuch und blieb ein wenig. Kein gern gesehener Gast, das nicht. Aber geduldet. Es war halbwegs auszuhalten.

Dann lernte ich Herzallerliebst kennen und wir waren so verliebt! Das Studium, unsere gemeinsamen Reisen. Eine verdammt schöne Zeit war das! (Ja, auch depressive Menschen können schöne Zeiten haben! ;))

Mit Mitte 20, Studium abgeschlossen, erste Erfahrungen im Job, war uns beiden klar: Wir möchten eine Familie gründen! Den Schatten haben wir gar nicht erst gefragt. Gesagt, getan und dann war ich schwanger …

… und von da an nahm das Schicksal seinen Lauf!

Jetzt will ich noch nicht zu viel verraten, das braucht Zeit.

Die Schwangerschaft mit der Rübe war sehr kompliziert und die Geburt ein nicht enden wollender Albtraum. Und dann war er da, dieser winzige Mensch, und ich war weg! Natürlich war ich nicht wirklich weg, meine Hülle war da noch irgendwo. Doch in mir nur Leere. Dieses Wesen sollte ich lieben? Wie soll das gehen? Die ersten Wochen waren die Hölle auf Erden. Bis – und dafür bin ich ihm bis heute unendlich dankbar – Herzallerliebst die Reißleine zog und mich zum Psychiater schleppte.

 

Von postpartalen Depressionen und wiederkehrenden mittelgradigen depressiven Episoden

Die Vermutungsdiagnose (postpartale Depression) ist mittlerweile den erwähnten wiederkehrenden mittelgradigen depressiven Episoden gewichen. Sprich: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Depression bedingt durch die Hormonumstellung eine einmalige und zeitlich begrenzte Sache war, ist mittlerweile ausgeschlossen.

Ich weiß nun: Sie war immer da und wird es vermutlich auch immer bleiben! Und es liegt an mir (und meiner Familie), wie wir damit umgehen und leben (lernen).

 

Mama und Depression: Wie geht das?

Das, und noch mehr, möchte ich mit euch in diesem Blog teilen. Ich bin Mama und ich bin depressiv. Und trotzdem haben wir uns nach der Rübe noch einmal ganz bewusst für unseren kleinen Wurl entschieden und unsere Familie vergrößert. Jetzt sind wir komplett!

Die Steine, die geworfen werden, prallen an mir ab. Sie sind mir egal! Wir sind liebevolle Eltern, die eine Hälfte von uns ohne, die andere mit Depression. So einfach ist das!

Im Alltag habe ich – neben einem guten sozialen Netzwerk – verschiedene Dinge, die mir helfen, meinen Kindern eine gute Mutter zu sein. Und die mir helfen, mein Leben so gut wie möglich zu meistern und mit mir selbst – trotz Erkrankung – im Einklang zu bleiben! Es gibt also eine ganze Menge bunter Themen, auf die ihr gespannt sein dürft! Denn eines kann ich euch versprechen: Langweilig wird es bei uns nie!