Von der Kunst, NEIN zu sagen (und damit der Depression Einhalt zu gebieten)

Im heutigen Beitrag geht es um ein heikles Thema. Um etwas, das gar nicht so einfach ist, aber ungeheuer wichtig für das seelische Gleichgewicht: die Kunst, freundlich und bestimmt NEIN zu sagen!

 

Sozial erwünschtes Handeln macht ein Nein so schwierig

Im Alltag geschieht es unwahrscheinlich rasch, häufig und oftmals unbewusst: Wir meinen eigentlich nein, sagen aber ja.

Die Teilnahme am öden Familienessen, auf das man eigentlich überhaupt keine Lust hat? Zusätzlich zu den eigenen Sprösslingen das Nachbarskind beaufsichtigen, das sich so gar nicht benehmen kann? Rasch noch einen Auftrag annehmen, obwohl man eigentlich Feierabend machen wollte? Kommt euch das bekannt vor? Ja? Mir auch! Leider … Schnell rutscht einem in manchen Situationen ein freundliches „Ja, natürlich!“ raus, wo eigentlich alles in einem „Nein, auf keinen Fall!“ schreit.

Doch warum ist das so? Weil wir eben gute Manieren haben und niemanden enttäuschen wollen! Sozial erwünschtes Verhalten nennen es die Fachleute. Ein deutlich formuliertes Nein würde uns ja auch in einem ganz komischen Licht erscheinen lassen. Unsympathisch und faul irgendwie. Aber ist das denn tatsächlich der Fall?

 

Familiäre Verpflichtungen und Depression: Warum NEIN sagen so verdammt wichtig ist

Wenn ich in den letzten Jahren etwas gelernt habe, dann ist das, auf meine Grenzen zu achten. Dazu zählt auch, mir nicht mehr aufzuhalsen, als mir letztendlich gut tut. Das trägt maßgeblich zu meinem psychischen Wohlbefinden bei, und hilft, die Depression in Schach zu halten. Denn: Bleibt der schwarze Schatten weg, geht’s uns allen gut! Und immerhin bin ich Herzallerliebst, der Rübe und dem Wurl mehr verpflichtet als irgendjemandem sonst!

Aber bis zum richtig dosierten Nein war es ein langer und steiniger Weg. Auch ich gehör(t)e nämlich jener Gattung Mensch an, der sehr daran gelegen ist, „Everybody’s Darling“ zu sein. Und wenn das Selbstwertgefühl durch die Depression eben sowieso schon im Keller ist, ist es einem umso wichtiger, was und wie andere Menschen von einem denken. Allerdings wächst gleichzeitig auch der Berg an Dingen, die sich anhäufen, weil man eben nicht nein gesagt hat. Dazu der verminderte Antrieb durch die Depression und der Teufelskreis ist perfekt! Abwärtsspirale inklusive!

Was bleibt, ist nicht nur das Gefühl, auf ganzer Linie versagt zu haben, sondern auch noch die eine oder andere Person, die Stress macht, weil man schließlich diverse Dinge (Familienessen, Kinderbeaufsichtigung, Aufträge) zugesichert hat. Und irgendwann geht dann gar nichts mehr! Been there, done that… Leider weiß ich, wovon ich rede!

 

Von Kraftreserven und der Notwendigkeit, NEIN zu sagen

Der Umgang mit meiner Depression ist für mich ein ständiges Ausbalancieren meiner Kraftreserven. Und damit das gut klappen kann, ist es nicht nur notwendig, die Speicher zu füllen (zum Beispiel durch Auszeiten), sondern Energien auch wohldosiert zu nutzen.

Wenn ich zu oft ja sage, obwohl ich eigentlich nein meine, bleibt zu wenig Energie für mich und meine Familie übrig. Das ist definitiv der falsche Weg! Was habe ich also getan? Gelernt, laut und deutlich NEIN zu sagen! Und ja, aller Anfang ist schwer, aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, eben nicht mehr „Everybody’s Darling“ zu sein, dann ist es eigentlich ganz einfach.

 

Die Kunst, NEIN zu sagen: ein Tipp für Einsteiger

Der wichtigste Grundsatz überhaupt: Ein schlechtes Gewissen ist fehl am Platz!

Tritt man mit einer Frage, Bitte oder Aufforderung an mich heran, nehme ich mir mittlerweile die Zeit, tief in mich zu gehen und mich bewusst zu entscheiden: Kann und will ich dem nachkommen, oder eben nicht. Entscheide ich mich dagegen, dann formuliere ich das kurz und knapp. Ohne mich zu rechtfertigen oder großartig zu erklären. Es ist meine Entscheidung, die muss akzeptiert werden!

Wenn die Sache an und für sich mein Interesse weckt, momentan aber ganz einfach keine Energien dafür übrig sind, dann erkläre ich das meinem Gegenüber auch ehrlich. Je nach Vertrauensverhältnis, ist dann möglicherweise auch meine Depression Thema beziehungsweise Erklärung. Und natürlich gibt es in dem Fall auch Alternativvorschläge.
Denn nur, weil etwas im Augenblick nicht machbar ist, heißt das ja nicht, dass es auch zukünftig bei einem Nein bleiben muss. So flexibel bin ich dann schon. Trotz Depression! 🙂

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