Was ist eigentlich eine Depression?

Bei der Depression verhält es sich meiner Erfahrung nach so: Jeder kennt sie zumindest vom Hörensagen, aber niemand kann so richtig definieren, was das denn genau sein soll, so eine Depression. Irgendwas mit Traurigkeit eben. Und im Gehirn funktioniert das mit den Botenstoffen nicht so richtig …

Ja sicher, das stimmt schon alles, aber irgendwie ist Depression halt doch noch etwas mehr. Medizinisch betrachtet und vor allem aber auch individuell auf den Einzelfall bezogen. Ihr wisst ja schon, dass ich mir meine ganz persönliche Depression als schwarzen Schatten vorstelle. Irgendwo im Hintergrund lauert der und – ganz egal, ob ich nun damit rechne oder nicht – manchmal kommt er zum Vorschein und nimmt mich gefangen. Dann habe ich keine Luft mehr zum Atmen! Es dauert immer ein wenig, bis ich ihn wieder abschütteln kann. Und ich weiß ganz genau: Irgendwann stürzt er sich wieder auf mich und dann geht alles wieder von vorne los!

 

Depression: Das sagt die Medizin dazu

In der Medizin/Psychiatrie ist ganz genau festgelegt, welche Faktoren es zu erfüllen gilt, damit man auch tatsächlich von einer klinischen Depression spricht. Es geht darum, dass eine gewisse Anzahl von Symptomen für einen bestimmten Zeitraum vorhanden sein müssen.

Dementsprechend wird die Depression in Schweregrade unterteilt. Auf diese Weise ergibt sich folgend die Diagnose einer leichten, mittelgradigen oder schweren Depression. Außerdem sind da auch noch – so nenne ich es jetzt einfach einmal – Sonderformen der Depression. Also zum Beispiel jene, die auf die Jahreszeit bezogen sind (Herbst-/Winterdepression) oder mit Schwangerschaft/Geburt zusammenhängen (Schwangerschaftsdepression/Postpartale Depression).

 

Depression äußert sich durch eine Flutwelle an Symptomen

Gleich vorweg: Erschreckt euch nicht! Es sind tatsächlich ganz schön viele Symptome, die im Rahmen einer Depression auftauchen und einem das Leben schwer machen können. Natürlich heißt das aber nicht, dass man sich ständig mit allen auf einmal herumschlagen muss! (Aber ganz ehrlich: Ein paar davon reichen auch vollkommen! ;))

Grundsätzlich beziehen sich die Anzeichen einer Depression auf Stimmung/Affekte und auf den Antrieb. Dazu kann zusätzlich eine ganze Reihe von körperlichen oder ganz unspezifischen Symptomen auftreten. Nicht selten laufen Betroffene mit einer Palette von Beschwerden von Facharzt zu Facharzt und niemand kann ihnen so wirklich helfen. So lange, bis ein kompetenter Halbgott in Weiß das Richtige vermutet und auf einen Psychiater verweist. Dort wird die vorhandene Depression häufig schon im Rahmen des Anamnesegesprächs deutlich.

 

Symptome einer Depression im Überblick: Das sagt ICD-10

ICD-10 habt ihr vielleicht noch nie gehört. Das ist auch wirklich nicht schlimm! 😉 Im Grunde genommen ist das ein Kriterienkatalog für alle möglichen Krankheiten. Übersetzen könnte man es mit Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme.

Und in diesem ICD-10-Katalog steht eben ganz genau drin, welche Anzeichen wie häufig auftreten müssen, damit man von einer klinischen Depression spricht.

Von mir etwas zusammengefasst findet man dort unter Depression Folgendes:

  • depressive Verstimmung
  • vermindertes Interesse
  • Appetit-/Gewichtsverlust oder auch gesteigerter Appetit/Gewichtszunahme
  • Schlaflosigkeit oder vermehrtes Schlafbedürfnis
  • Psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung
  • Müdigkeit/fehlende Energie
  • Schuldgefühl/Gefühl von Wertlosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Suizidgedanken
  • verminderter Antrieb/rasche Ermüdung
  • Verlust von Selbstwert und Selbstvertrauen
  • Selbstvorwürfe/Schuldgefühle (oft ohne Grund)

 

Symptome einer Depression: Das sagt meine Wenigkeit

Als Betroffener einer Depression ist man ja immer irgendwie Experte in eigener Sache. Ich selbst habe mich in der Gruppentherapie und auch im Netz mit anderen Betroffenen ausgetauscht und dabei recht rasch herausgefunden, dass Depression für und bei jedem Einzelnen irgendwie immer ein bisschen verschieden ist. Eine ganz individuelle Sache eben!

Es kommt immer auf den eignen Charakter an, auf das Umfeld (auch, wie dieses damit umgeht), auf die Lebenswirklichkeit des Betroffenen (Geht er einer Tätigkeit nach/Ist er in einem liebevollen sozialen Umfeld verhaftet) und natürlich darauf, wie sich die Depression gerade bemerkbar macht. Meistens tritt sie ja in Schüben auf und diese Schübe können auch beim Einzelnen variieren, was die Ausprägung der Symptome angeht.

 

Der schwarze Schatten und die Sache mit Antrieb und Fröhlichkeit

Ich kann natürlich nur von mir sprechen! Bei meinem schwarzen Schatten ist es so, dass er mir im Akutfall Fröhlichkeit und Antrieb fast zur Gänze klaut. 🙁 Oftmals kann ich abends stundenlang nicht einschlafen (Gedankenkarussell lässt grüßen!) und am nächsten Morgen fehlt mir der Antrieb, aufzustehen und dem Tag zu begegnen. Wenn es ganz schlimm ist, verschreibt mir mein Psychiater ein Schlafmittel, dann wird das mit dem Einschlafen (und Durchschlafen) wenigstens ein bisschen besser.

Ich schleppe mich durch die Tage und mein Leben scheint mir wie eine Nebelwand. Nichts macht Sinn, nichts macht mir Freude. Ich bin so unfassbar traurig und manchmal weiß ich nicht einmal, wieso. Die Tränen laufen ab und zu unaufhörlich über mein Gesicht und ich bekomme das gar nicht mit, weil es schon so normal geworden ist.

 

Mama mit Depression: Nach Regen folgt beinahe sowas wie Sonnenschein

Ein kleines Fünkchen Hoffnung und Fröhlichkeit empfinde ich nur, wenn ich die Rübe und den Wurl ansehe. Für die beiden lohnt es sich, die Krisenzeiten zu überwinden. Und so blöd es klingt: Auch, wenn der schwarze Schatten mich wieder einmal gepackt hat, versuche ich mir wieder und wieder zu sagen, dass bessere Zeiten kommen werden, dass ich mein Tief überwinden werde. Emotional kann ich es zwar nicht so fühlen (es wirkt dann alles, als würde es NIE WIEDER gut werden), aber rational habe ich halt durchaus andere Erfahrungswerte. Nämlich, dass es – trotz Depression – tatsächlich wieder bessere Phasen geben wird.

 

Mama in der depressiven Krise: die Sache mit den Schuldgefühlen

Die Sache mit den Schuldgefühlen, die kenne ich leider auch bestens. Ich bin ja selbst schuld an meiner Krankheit, denke ich mir dann oft. Jemand wie ich, der verdient es nicht, einfach nur glücklich zu sein. Auch, wenn ich vom Kopf her weiß, dass das ganz und gar nicht stimmt, mein Herz sieht das eben anders!

Die größte Schuld empfinde ich in diesen Phasen meinen Kindern gegenüber. Ich weiß zwar eigentlich, dass ich eine gute Mama bin und dass ich meinen Kindern eine wunderbare Kindheit bereite, aber wenn es wieder einmal so weit ist, dass mich der Schatten fest im Griff hat, dann empfinde ich mich einfach nur als schlechteste Mama auf der ganzen, weiten Welt. Als eine wahnsinnige (im wahrsten Sinne…) Bürde für die Rübe und den Wurl. Und als eine Belastung für Herzallerliebst obendrein!

 

Depression und Familie: Therapie hilft!

Das (Selbstwert/Selbstliebe) sind aber Themen, die ich ihm Rahmen meiner Psychotherapie wirklich sehr intensiv bearbeite. Und ich bin auch stolz darauf, sagen zu können, dass ich in dieser Hinsicht vor allem in den letzten drei Jahren verdammt viele Fortschritte gemacht habe. Die meiste Zeit (außer eben, ich stecke ganz, ganz tief in der Krise) weiß ich nämlich, dass ich eine wirklich gute Mama bin! Schon alleine deshalb, weil ich eben nicht den Kopf in den Sand stecke, sondern – im Rahmen meiner Möglichkeiten – mein Bestes gebe, meinen Kindern die Kindheit zu schenken, die sie verdienen! 🙂

Für alle, die Lust haben: Hier ist eine sehr gut gemachte Doku über Depression zu sehen. Vor einigen Tagen bin ich drübergestolpert und sie hat mich sehr, sehr, sehr tief berührt. Vor allem in der Mama, die gleich zu Beginn eingeblendet wird, erkenne ich mich zum Teil selbst wieder! Vielleicht habt ihr ja Lust, darüber zu plaudern! Würde mich wirklich freuen!

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